Es ist himmelschreiend, dass man in dieser Welt durchaus Geld haben oder irgend eine nützliche Arbeit versteh'n muss, um auszukommen. (Adolph Freiherr von Knigge, Die Reise nach Braunschweig)

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Hier finden Sie exklusive Texte zu den Hartz-Kriegern, die (so) nicht im Buche stehen ...


Die Geldgier der Erwerbstätigen

Deutschland braucht mehr Arbeitgeber. (FDP)

Werner Owen, Keramikgroßhändler aus 16766 Krämerpfuhl, wo er 47 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, hat längst erkannt, was den deutschen Arbeitsmarkt so problematisch macht: es ist die Gier der Erwerbstätigen.

'Nicht genug, dass man ihnen Arbeit gibt', wettert Owen, der mich im Hof vor dem Firmengebäude trifft. Es ist Frühling, man hat den Eindruck, es wäre immer Frühling hier. Vögel zwitschern, wagen sich jedoch nicht näher. 'Nein: Sie wollen auch noch für die Arbeit bezahlt werden.' Owen, ein untersetzter Mittfünfziger, ballt die Faust vor rechtschaffenem Zorn. 'Sehen Sie sich meine Leute an. Ich gebe ihnen etwas zu tun, ich fülle ihren Tag aus, ich hole sie von der Straße und mute ihnen nicht zu, sich mit den anderen verlorenen Seelen auf den Fluren des Arbeitsamtes zu tummeln. Ich stelle ihnen PCs hin, gebe ihnen Papier und Kugelschreiber, sie dürfen meine Rechenmaschinen benutzen, meine Gabelstapler und LKW. Ich heize sogar die Büroräume (die Lager werden durch die LKW-Motoren mitgeheizt).' Er wischt sich über die Halbglatze, senkt die Stimme. 'Ich gebe ihnen etwas, worauf sie stolz sein können: die Arbeit in einem Traditionsunternehmen.' Er schaut mich an, ich nicke ihm zu. 'Und zu alledem wollen Sie auch noch mein Geld.' Seine Stimme erstirbt, er wirkt mit einemmal alt, gebrochen.

Ein Mann schiebt eine Sackkarre mit Fliesen an uns vorbei, grüßt freundlich. Er sieht nicht unglücklich aus, ein bisschen mager vielleicht. Der Mann schiebt vorbei, hält an und geht dann schnell auf seinen Chef zu, dem die Tränen in den Augen stehen. Der Mann zieht seinen Schuh aus (ich sehe durch das Loch in der Sohle, wie sich die Frühlingssonne in einer Pfütze spiegelt) und holt einen blauen Geldschein heraus, schiebt ihn seinem Chef in die Jackentasche. Ein kurzes Schulterklopfen, ein gemurmeltes 'Wird schon werden', dann schiebt er die Karre weiter. Die Reifen rollen durch die Pfütze, hinterlassen eine zwei Meter lange Doppelspur.

'Danke für das Interview', murmele ich, leicht verlegen und führe Owen zu einer Rampe, wo er sich hinsetzt. Ich schiebe ihm einen Fünfer in die andere Jackentasche und gehe.

Draußen vor dem Werkstor sitzt ein Bettler. Sein Gesicht kommt mir bekannt vor.

'Kennen wir uns?', frage ich.

'Nein.' Der alte Mann hält mir seinen Hut hin, in dem ein paar traurige Münzen klimpern. 'Aber vielleicht kennen Sie meinen Sohn. Der leitet die Firma da. Owen und Sohn. Er ist der Sohn, ich bin der Owen. Haben Sie vielleicht etwas, was nicht klimpert, sondern raschelt?'



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Balzverhalten und Paarungsstrategien von Arbeitslosen

Arbeitslose leiden oft unter ihrer beruflichen Situation, was Potenzstörungen und Frigidität nach sich zieht. Das hat die Natur klug eingerichtet. Würden sich die Arbeitslosen ungestört vermehren, würde man ihrer bald gar nicht mehr Herr werden. Gerüchten, denen zufolge die Bundesagentur die in den Fluren der Agenturen wartenden Arbeitslosen mit Potenzhemmern begast, entbehren jeder Grundlage, wie Heinrich Bodelschwingh bescheinigt, der oberste Potenzhemmerbeauftragte der Bundesagentur. Die Bundesregierung sieht das ganze wie immer pragmatisch. 'Wir haben nichts dagegen, wenn sich die Arbeitslosen fortpflanzen', bekräftigt ein ungenannt bleiben wollendes Regierungsmitglied . 'Bis deren Nachwuchs alt genug ist, selbst arbeitslos zu werden, sind meine Kollegen und ich schon lange nicht mehr in der Regierung. Was wir jedoch vermeiden möchten, ist, dass die Arbeitslosen während ihrer Erwerbsuntätigkeit auch noch Spaß haben; sonst suchten sie sich womöglich nie mehr einen Job.'

Das Arbeitslosenweibchen auf Partnersuche

Das Weibchen tut gut daran, den Rest Stolz, den es sich trotz Arbeitslosigkeit erhalten konnte, auch noch über Backbord zu werfen. Der Rest erledigt sich dann, wie gehabt, von selbst (sofern das Weibchen der durch den Altersaufbau der Bevölkerung bevorteilten Gruppe angehört, spricht: Männerüberschuss herrscht).

Tipp: Keine falsche Scheu vor tiefer Niedergeschlagenheit, mangelndem Selbstvertrauen und Depressionen! So etwas lockt männliche Beschützergestalten an.

Leichtes Übertreiben

Für das Weibchen empfiehlt es sich, die eigene Situation schwärzer auszumalen, als sie eigentlich ist: aus 'ich werde erst in zwei Monaten wieder arbeiten, der Vertrag ist jedoch schon unterschrieben' wird 'ich bin vollkommen verzweifelt und werde nie mehr eine Anstellung finden'. So darf sich das Männchen mit geschwellter Brust in Retterpose werfen und wird zugleich subtil darauf hingewiesen, dass seine Finanzkraft gefragt ist und auch in nächster Zukunft gefragt sein wird.

Körperzeit

Als erfolgreich hat sich bei den Weibchen die Methode erwiesen, die viele Freizeit gewinnbringend in den eigenen Körper zu investieren. So kann durch regelmäßigen Sport und eine Umstellung der Ernährung auf leichtere und weniger kalorienhaltige Kost der eigene Körper attraktiv gehalten oder noch attraktiver gestaltet werden. Ergänzend zum Sport empfehlen sich Schönheitsoperationen und die Investition in teure Kleidung - so lange man sich beides noch leisten kann. Eine Kombination der Methode mit dem leichten Übertreiben ist unschlagbar. Auch im Hinblick auf die Suche nach einer neuen Stelle (siehe im zweiten Teil des Buchs) werden sich die Investitionen früher oder später auszahlen.

Revier Arbeitsamt

Auf den langen Fluren der Arbeitsagenturen finden sich für eine nur einigermaßen attraktive und bemitleidenswerte Frau reichlich männliche Opfer. Doch selbst die anderen, die farblosen Mauerblümchen, haben dort gute Chancen - aber bitte nicht bei den Arbeitslosen! Wenden Sie sich ausschließlich an (vorzugsweise Beamte oder leitende) Angestellte der Arbeitsagentur. Lassen Sie sich von Ihrem Arbeitsvermittler trösten oder sinken Sie dem nächsten vorbeikommenden, gut und vor allem gut situiert aussehenden Anzugträger in die Arme (in Ihrem eigenen Interesse so, dass er eine Chance hat, Sie aufzufangen). Geizen Sie nicht mit Tränen und malen Sie Ihre Situation in den dunkelsten Schattierungen, die die Farbe Schwarz zu bieten hat.

Vorsicht: Ein Mann mit einer Jogginghose ist aller Wahrscheinlichkeit nach kein Angestellter oder Beamter der Agentur.

Sex mit einem arbeitslosen Mann

Vergessen Sie's.

Tipp: Es mag Fälle geben, in denen Sie, ohne es zu wissen, Sex mit einem Arbeitslosen haben. Arbeitslose Männer neigen dazu, Ihre Erwerbslosigkeit zu verschweigen. Nehmen Sie ein heißes Bad, erzählen Sie niemandem von ihrem Faux-Pas und denken Sie nicht mehr daran.

Extra-Tipp für Verliebte: Sie haben sich in einen Arbeitslosen verliebt, einen offensichtlichen Loser und Versager, womöglich sogar in Bruno (der, gegen den die ganze Welt ist)? Dies nennt man einen Mutterkomplex und ist nichts, wofür Sie sich mehr als ein wenig zu schämen brauchen. Sprechen Sie mit einem der einschlägigen Psychotherapeuten, nehmen Sie ein heißes Bad, erzählen Sie niemandem von ihrem Faux-Pas und denken Sie nicht mehr daran.

Sex mit einem voll erwerbstätigen Mann

Sex mit einem v. e. Mann ist der einzige Sex, der für Sie in Frage kommt. Natürlich müssen Sie dafür Opfer in Kauf nehmen, aber das sind Frauen seit Jahrmillionen gewöhnt, stellen Sie sich also nicht so an.

Tipp: Es empfiehlt sich, Sex mit jemandem zu haben, der Ihnen eine neue Stelle verschaffen kann. Glauben Sie nichts, was der Mann selbst darüber sagt, vertrauen Sie nur Ihrer Privatdetektivin.

Andere Neigungen

Es gilt das oben gesagte entsprechend.

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Das Arbeitslosenmännchen auf Partnersuche

Männchen am unteren Ende der Rudelhierarchie haben es erfahrungsgemäß schwerer als Alpha-Tiere, ein paarungsbereites Weibchen zu finden. Die Hierarchie wird bei den Männern anhand des Bruttolohns und der Position im Unternehmen bestimmt. Die Einstufung eines Arbeitslosen hängt von seiner vorher bekleideten Position und der Höhe seines Arbeitslosengeldes ab sowie der wahrgenommenen Aussicht, dass er bald wieder eine Stelle findet. Langzeitarbeitslose rangieren in der Hierarchie eher im hinteren Bereich, irgendwo zwischen Aussätzigen und entmannten Leichen. Arbeitslose sind demzufolge auf einfallsreiche Strategien angewiesen, die sie trotz ungünstiger Hierarchieplatzierung dennoch für die Weibchen attraktiv erscheinen lassen.

Dreistes Lügen

Als einfachste und vielfach überlegene Strategie wird das dreiste Lügen (im Volksmund: leichtes Übertreiben) von männlichen Arbeitslosen erfolgreich bei der Partnersuche eingesetzt. Das elegante dieser Methode ist, dass das Männchen sich nicht verstellen muss. Die Weibchen erwarten, von den Männchen angelogen zu werden, auf ein bisschen mehr oder weniger dazuerfundenes Gehalt kommt es nicht an, denn das können die wenigsten Frauen genau genug beurteilen. Dummerweise (sic!) sind die Frauengehirne im Laufe der Evolution, stimuliert durch die Lügen der Männchen, stetig gewachsen, so dass das reine Behaupten von Zahlen allein nicht (mehr) funktioniert; die Zahlen wollen untermauert sein von wahrnehmbaren Fakten wie Auto, Kleidung, Schuhe(!), Accessoires (Portemonnaie, Kreditkarten, usw.), Rasierwasser und natürlicher Geruch, Zustand von Haut, Händen und Gebiss, Armbanduhr und Schmuck sowie Tätowierungen beziehungsweise deren Fehlen. Aber auch Umgangsformen, Sprache und Auftreten stehen auf dem weiblichen Prüfstand. Dem aufmerksamen Leser wird im Lauf der Lektüre dieses Buches nicht entgehen, dass die überprüften Fakten nicht ganz unähnlich denen sind, die in einem Vorstellungsgespräch über die Chancen auf eine Stelle entscheiden.

Phantasievolles Beschönigen

Nicht weit entfernt vom Lügen, wird das Beschönigen der Arbeitssituation gerne, doch weit weniger erfolgreich eingesetzt. Behauptungen wie 'Ich war ausgebrannt. jeden Tag sechzehn Stunden Arbeiten. Zwar verdiente ich fünfstellig im Monat, doch hatte ich keine Zeit, das Geld auch noch auszugeben. Eines Tages nahm mein Chef mich beiseite und schlug mir vor, mir zu meinem eigenen Schutz doch mal eine Pause zu gönnen. Er wolle mir kündigen, damit ich mir das Arbeitslosengeld nicht entgehen lasse. Recht hatte er. Schließlich habe ich jahrelang Zigtausende in die Sozialversicherung bezahlt, da will man schließlich auch wieder was von zurückhaben.' klingen zunächst interessant, doch überzeugen Sie damit nur die weniger intelligenten Weibchen - oder wer hätte schon einmal etwas von einem Burn-Out-Syndrom bei einem Kinokartenabreißer gehört?

Körperzeit

Als erfolgreich hat sich bei männlichen Arbeitslosen die Methode erwiesen, die viele Freizeit gewinnbringend in den eigenen Körper zu investieren. So kann durch regelmäßiges, hartes Workout der fehlende soziale Status durch Äußerlichkeiten nahezu wettgemacht werden. Ergänzend zum Sport empfehlen sich Schönheitsoperationen und die Investition in teure Kleidung - so lange man sich beides noch leisten kann. Eine Kombination von Methode 1 mit Methode 3 ist unschlagbar. Auch im Hinblick auf die Suche nach einer neuen Stelle (siehe im zweiten Teil des Buchs) werden sich die Investitionen früher oder später auszahlen.

Revier Arbeitsamt

Auf den langen Fluren der Arbeitsagenturen findet sich für einen gut aussehenden, erfahrenen Lügner reichlich weibliche Opfer. Doch selbst die anderen, die farblosen Ehrlichen, haben dort gute Chancen: eine durch Arbeitslosigkeit um das letzte Fünkchen Selbstwertgefühl gebrachte Frau ist für jedes Bisschen männlichen Interesses dankbar - und mit dankbar meine ich wirklich sehr, sehr dankbar ... Ein kleines, nicht einmal ehrlich gemeintes Kompliment, ein bisschen Aufschneiderei, ein Goldzahnlächeln, und schon sinken Ihnen Frauen zu Füßen, die sie noch eine Woche zuvor, als sie noch Arbeit hatten, nicht einmal dann angesehen hätten, wenn Sie nackt und mit Bündeln voller Geldscheine vor ihnen auf dem Bürgersteig verendet wären.

Sex mit einer arbeitslosen Frau

Es gibt kaum etwas Befriedigenderes, als den Sex mit einer Arbeitslosen. Selbst für die erbärmlichste Vorstellung werden Ihnen dankbare Augen entgegenleuchten. Dass eine arbeitslose Frau aus Verzweiflung zu nahezu allem bereit ist, braucht nicht eigens erwähnt zu werden . Und wenn Sie beide arbeitslos sind, können Sie am nächsten Morgen zusammen liegen bleiben, ja, eigentlich brauchen Sie das Bett überhaupt nicht mehr zu verlassen.

Tipp: Eine längerfristige Beziehung zu einer Arbeitslosen empfiehlt sich dennoch nicht, insbesondere, wenn Sie beide keiner festen Tätigkeit nachgehen. Zu schnell gerät man gemeinsam in einen depressiven Abwärtsstrudel. Von der finanziellen Seite einmal ganz abgesehen. Sollten Sie hingegen wieder Arbeit finden, ist es ratsam, so zu tun, als kennten Sie die Person nicht, mit der sie vor nicht all zu langer Zeit noch ein Glas, ein Bett und ein Kondom geteilt haben.

Sex mit einer voll erwerbstätigen Frau

Sex mit einer v. e. Frau ist bei weitem weniger vergnüglich als der mit einer Arbeitslosen. Von Ihnen wird Leistung erwartet und dass Sie sich um den Orgasmus der Frau kümmern. Auch Ihre schmutzigen Phantasien können Sie weitgehend zu Hause lassen. Das Drumherum ist es, das diesen Sex dennoch erstrebenswert macht. Eine v. e. Frau ist, stressbedingt, anschließend wie Sie zu müde, um noch lange zu kuscheln. Auch verlässt sie am nächsten Morgen frühzeitig Bett und Wohnung, so dass Sie es sich dort so richtig gemütlich machen können. Das Frühstück ist besser, die Wohnung ist geheizt, die Stimmung ist ausgeglichener - und für Ihre Leistungserhaltung gibt es schließlich Viagra, welches, so Sie es geschickt anstellen, Ihnen die v. e. Frau bezahlt oder im Idealfall selbst verschreibt.

Tipp: Eine längerfristige Beziehung zu einer voll erwerbstätigen Frau empfiehlt sich dennoch nicht, so lange Sie arbeitslos sind. Eher früher als später wird sie Ihnen damit auf die Nerven gehen, dass sie Sie anhält, sich mit mehr Initiative um eine Stelle zu bemühen. Mit jedem Monat, dann mit jeder Woche und schließlich mit jedem Tag werden Sie in den Augen der v. e. Frau zu einem Schmarotzer. Ehrliches Verständnis für Ihre Probleme, die typischen Probleme eines Arbeitslosen, dürfen Sie von ihr nicht erwarten.

Extra-Tipp: Der für Sie günstigste Fall ist der, sich ihre Arbeitsvermittlerin aufzureißen. Erstens genießen Sie dann alle Vorteile des Sex mit einer v. e. Frau (siehe oben), und zweitens wird Ihnen Ihre neue Freundin nicht mehr ständig damit in den Ohren liegen, sich endlich eine Stelle zu suchen, das Thema Arbeitslosigkeit wird sogar zu einem Tabu, über das man nicht spricht - Sie sprechen nicht darüber, weil Sie keinen Grund haben, darüber zu sprechen, und Ihre Freundin spricht nicht darüber, weil sie nicht die Arbeit ihr Privatleben verderben lassen möchte.

Andere Neigungen

Es gilt das oben gesagte entsprechend.



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Zeugnis

Gangloffsömmern, 31. 12. 2004

Frau Hanna Kohlengrub, geb. am 11. Dezember 1976, war in der Zeit vom 27. Dezember 2004 bis zum 31. Dezember 2004 in unserem Haus als Vorstandsvorsitzende beschäftigt.

Ihre Aufgaben waren:
- Erhöhung des Reingewinns um 450%
- Sozial gerechte und von der Öffentlichkeit unbemerkte Entlassung von 3.478 Mitarbeitern
- Den Platz am Kopfende des großen Tisches im blauen Besprechungsraum einnehmen
- Täglich eine halbe Stunde durch das Betriebsgebäude gehen und dabei wichtig tun, auf Fragen jedoch grundsätzlich ausweichend antworten
- Pressekonferenzen abhalten
- Den Sitz im S-Klasse-Dienstwagen mit Chauffeur anwärmen, falls die Sitzheizung defekt sein sollte
- Gefälschte Bilanzen unterschreiben
- Aktionäre beruhigen
- In ausweglosen Situationen lächeln

Ob Frau Kohlengrub in der Zeit ihrer Tätigkeit ihren Aufgaben gewachsen war, lässt sich nicht eindeutig beurteilen, da unser Unternehmen in dem betreffenden Zeitraum Werksferien hatte. Jedenfalls kam Frau Kohlengrub nie zu spät, weil sie nie kam - letzteres stets mit großer Zuverlässigkeit. Ihr Fachwissen war umfassend, wie uns von ihrer Mutter bestätigt wurde.

Wegen ihres unauffälligen Nichterscheinens konnten selbst die kritischsten Kollegen nichts an ihr aussetzen. Frau Kohlengrub war sehr beliebt, so versicherte uns ihre Schwester.

Frau Kohlengrub hat das Beschäftigungsverhältnis nicht aus eigenem Antrieb beendet, da sie es auch nicht aus eigenem Antrieb begonnen hatte. Überhaupt wusste Frau Kohlengrub gar nicht, dass Sie in unserem Unternehmen beschäftigt war. Es handelte sich bei ihrer Einstellung um einen Computerfehler, den wir sehr bedauern. Für ihren weiteren Lebensweg als was auch immer wünschen wir ihr viel Erfolg. Und immer schön fröhlich bleiben.

Dr. Sören Kammerhur

PS: Falls einer von euch Personalchefs weiß, wo wir einen vernünftigen Vorstand herbekommen sollen, melde er/sie sich bitte: 0171-331 298 56. Unser Aufsichtsrat ist leider unfähig, einen zu ernennen.
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Beurteilung:

Ein hervorragendes Zeugnis. Es kommt das Wort stets darin vor sowie die wichtige Formulierung 'den wir sehr bedauern'. Das i-Tüpfelchen ist der Wunsch nach 'viel Erfolg'. Zusammen mit dem Beleg einer festen familiären Einbindung enthält dieses Zeugnis alles, was es braucht, um einen denkbar guten Eindruck von der Bewerberin zu vermitteln.





(c) Stephan Waldscheidt 2006
www.waldscheidt.de